König Ananda Mahidol – Rama VIII

König Rama VIII wurde am 20. September 1925 in Heidelberg, Deutschland geboren. Seine Eltern waren sein Vater, Prinz Sonkla Nakarinds und seine Mutter, Prinzessin Somdej Phra Srinakarindhara. Er war das zweite Kind und der erste Sohn des Prinzenpaares und erhielt den Namen Prinz Ananda Mahidol. Prinz Ananda Mahidol hatte noch eine ältere Schwester, Prinzessin Galyani Vadhana Kromluang, die 1923 in England geboren wurde und später einen jüngeren Bruder, Prinz Bhumibol Adulyadej, 1927 in Cambridge, Massachusetts in den USA geboren und heutiger König von Thailand.

 

Sein Vater, Prinz Mahidol Adulyadej, auch als Prinz Songkla Nakarind bekannt, war einer der Söhne von Rama V – König Chulalongkorn. Als er 1928 sein medizinisches Studium an der Haward Universität abschloss, kehrte er nach Thailand zurück, um sein erlangtes Wissen zum Wohle seines Volkes einzusetzen. 1929 war er Stationsarzt am McCormick Hospital in der nördlichen Provinz Chiang Mai. Er sorgte für den Ausbau der Krankenversorgung in Thailand und die Ausbildung von Krankenpersonal, um die ärztliche Versorgung der Bevölkerung zu verbessern. Er wurde wegen seiner Verdienste in der thailändischen Medizin auch Vater der thailändischen Medizin genannt. Am 24.September 1929 verstarb er wie sein Vater an einer schweren Nierenkrankheit, als Prinz Ananda Mahidol gerade 5 Jahre alt war.

Seine Mutter, Prinzessin Somdej Phra Srinagarindhara, die heute noch wegen ihren vielen Hilfsprojekten und gutherzigen Einsätzen für die Bevölkerung von den Thailändern als “Prinzessin Mutter” hoch verehrt wird, musste nach dem frühen Tod ihres Gemahls im Alter von erst 29 Jahren ihre drei gemeinsamen Kinder alleine erziehen. 1933 entschließt sie sich, nach Lausanne in der Schweiz zu ziehen. Dort erhalten die Kinder ihre Ausbildung.

 

Zwei Jahre später, am 2.März 1935, wurde überraschend Prinz Ananda Mahidol im jungendlichen Alter von nur 10 Jahren zum König ernannt. Somit war er der zweite Monarch der Chakri Dynastie unter der neuen konstitutionellen Monarchie Thailands. Zu dieser Zeit gab es noch eine weltweite wirtschaftliche Rezension und politische Umbrüche.

Doch es gab nur die offizielle Ernennung aber keine offizielle Krönung in Thailand. Er erhielt jedoch den königlichen Titel Phra Chaoyuhua Ananda Mahidol. Der junge König besuchte weiterhin das Internat in der Schweiz, um seine Ausbildung weiterzuführen und die königlichen Regierungsgeschäfte wurden in seinem Namen von einem Regierungsrat übernommen.

Erst drei Jahre nach seiner Ernennung zum König, im November 1938, besuchte der erst 13.jährige junge König Thailand. Dabei wurde er von seiner königlichen Mutter, seiner älteren Schwester und seinem jüngeren Bruder begleitet. Im ganzen Land wurde von der Bevölkerung seine Ankunft mit Spannung erwartet. Die Thailänder waren natürlich sehr gespannt darauf, endlich ihren sehr jungen Koenig sehen zu können, der schon so lange im Ausland erzogen wurde. Sei es über mündliche Mitteilungen, Radioübertragungen oder Zeitungsberichte, im ganzen Königreich war von ihm die Rede.

Obwohl der neue König noch jung und unerfahren in öffentlichen Auftritten war, erlebten ihn die Thais und ausländischen Beobachter als sehr zuvorkommenden und ernsthaften Menschen, nachdem er seine ersten Interviews gegenüber der inländischen und ausländischen Presse über seine anstehenden Aufgaben und Verantwortungen zum Königreich geäußert hatte. Die Bevölkerung verehrte ihn sehr dafür und es wurde zum Tagesgespräch, und traditionell hingen überall Bilder ihres neuen jungen Königs.

Als er später wieder abreisen musste, um seine Ausbildung in der Schweiz abzuschließen, versammelten sich Tausende von Menschen, um ihm zu verabschieden. Dabei wurde ihm viel Glück und eine schnelle Heimkehr nach Thailand gewünscht.

Als die Schrecken des II Weltkrieges 1945 vorüber waren und der junge König seine Ausbildung fast abgeschlossen hatte, ersuchte ihn die thailändische Regierung, endgültig nach Thailand zurückzukehren. Zusammen mit seiner Mutter und seine Geschwistern kehrte er am 5. Dezember 1945 nach Thailand zurück. Es war vorgesehen, dass sie am 13. Juni 1946 zur weiteren Ausbildung in die Schweiz zurückreisen würden.

Seine Ankunft wurde von der Bevölkerung mit heller Begeisterung aufgenommen wurde. Nach den vielen Wirren des Weltkrieges und den innenpolitischen Aufgaben begann nun der zurückgekehrte König bei offiziellen Anlässen immer wieder zu betonen, da er alle anstehenden Aufgaben und Verantwortungen für das Land ernsthaft verrichten werde.

Dabei war es nicht nur sein ruhiges, aber entschlossenes Auftreten, seine Aufrichtigkeit und Entschlossenheit alles zum Wohle des Landes zu tun, was den Thailändern noch mehr beeindruckte, waren sein vielen persönliche Besuche in vielen Stadtteilen Bangkoks, aber auch in anderen Regionen des Königreiches, wo er sich auch über die Versorgung der Bevölkerung, landwirtschaftliche Anbaumethoden und Infrastruktur informierte. Wie seine Mutter suchte er immer den vertrauensvollen direkten Kontakt zu der Bevölkerung und hatte immer ein offenes Ohr für die Belange der Menschen. Dadurch gab er den Thailändern das Gefühl, das er als König auch seien Untertanen beschützte.

Bei den meisten solcher Anlässe, wo ihm auch Geschenke übergeben wurden oder zu seinen Ehren Aufführungen gemacht wurden, ließ er 5-Baht-Münzen in einem kleinen weißen Beutel für alle Anwesenden verteilen. Diese 5-Baht-Münzen hatten symbolisch natürlich einen höheren Wert als der eigentliche Wert der Münzen, schließlich wurden sie vom König gegeben.

Der König ließ es sich nicht nehmen, persönlich bei richterliche Entscheidungen präsent zu sein und auf der Richterbank Platz zu nehmen. Sobald bekannt wurde, das der König anwesend war, wurden solche Gerichtsfälle mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt. Zu dieser Angelegenheit waren die Gerichtsäle mit Menschen überfüllt, und auch vor dem Gerichtsgebäude waren so viele Menschen versammelt, das Soldaten und Polizei für Ruhe und Ordnung sorgen mussten.

Berühmt ist sein Besuch in Chachoengsao, wo er sich an der Rechtsprechung über eine Diebin beteiligte. Sie sollte mit sechs Monate Haft ohne Bewährung verurteilt werden, aber der junge König wandelte dies in eine Bewährungsstrafe um da dies ihre erstes Vergehen war und sie ein neu geborenes Kind hatte, das sie versorgen musste. Das Urteil des Königs wurde im ganzen Land bekannt, und wo immer er sich befand, wurde er von der Bevölkerung sehr verehrt.

Auf eine sehr harte Probe wurde König Ananda Mahidol gestellt, als es bei der chinesischen Bevölkerung in Bangkok fast zu einem Aufstand gekommen wäre. Die Bevölkerung in Samphaeng, einem Stadtbezirk von Bangkok, der einst von König Rama I an die chinesische Gemeinde übergeben wurde, sollten umgesiedelt werden, da dei Grundstücke für den Grand Palace eingeplant hatte.

Bisher waren die Chinesen seit der Gründung Bangkok friedlich ihren Geschäften nachgegangen, und seit Generationen wurden Geschäfte, Häuser und Grundstücke a Familienmitglieder weitergegeben. Auch bestand die Angst der chinesischen Bevölkerung, das ihnen der Gegenwert ihrer Verluste nicht erstattet würde. Als die ersten Unruhen auftraten, wurden einige Rädelsführer verhaftet, was jedoch die ganze Situation nur noch verschärfte. Wut und Angst gingen um. Es drohte sogar zu einem Bürgerkrieg zwischen den Thais und den Chinesen zu eskalieren.

Der König entschied, dass das Problem schnell gelöst und der Frieden wieder hergestellt werden musste, da die Thais und die Chinesen seit Generationen immer friedlich zusammengelebt hatten. Zuerst dachten die Bediensteten, das er als König eine chinesische Delegation zum Besuch im Palast anfordern würde, aber zu ihrer Überraschung entschied er sich dafür, die chinesische Gemeinde selber zu besuchen.

Als die Nachricht darüber im Stadtteil Samphaeng bekannt wurde, das der König persönlich mit seinem Bruder mit Prinz Bhumibol Adulyadej die Gemeinde besuchen wolle, war die Überraschung groß und alle Chinesen und Geschäftleute waren hocherfreut. Um den König auch einen ehrenvollen Empfang geben zu können, wurden vorab Strassen repariert, Häuser und Geschäfte geputzt und repariert. Am Tag seines Besuches wurden Altäre aufgestellt und große Bildnisse des Königs aufgehängt. Chinesen aller Generationen verneigten sich vor ihren Häusern um ihrem Koenig ehrenvoll und mit voller Respekt zu Ehre zu empfangen.

Für die Sicherheitskräfte des Königs war e sehr schwierig in den engen Gassen des Geschäftsviertels von Samphaeng für die Sicherheit des Königs und seines Bruders sorgen zu können. Dazu kamen die vielen Straßenhändler und die vielen Menschen, so das nur ein schmaler Pfad in der Mitte der Strassen offen blieb. Aber auch dem König war bewusst, welcher Gefahr er sich aussetzen könnte.

Der König und sein Bruder brauchten auch vier Stunden für den eigentlich kurzen Weg in Samphaeng, den sie auch ohne Eile zurücklegten. Tausenden Menschen beobachteten das Geschehen, und trotz der hektischen Situation strahlte das Gesicht des Königs und seines königlichen Bruders Ruhe und Freundlichkeit aus.

Die Thais, die diesen Besuch natürlich mit größter Aufmerksamkeit beobachteten und sich auch auf den Strassen befanden, sahen, das die Chinesen ihren König mit sehr hohen Respekt empfingen. Nach einigen Gesprächen mit chinesischen Geschäftsleuten und an die Bevölkerung, beruhigte sich die ganze Situation wieder.

Sein früher tragischer Todes waren für seine Familie und das Königreich ein schwerer Schock. Einige Tage vor seinem Tod wurde der König sehr krank und litt an einer Magenkrankheit.

Am 9. Juni 1946 nahm sein junges Leben ein plötzliches und tragisches Ende. Gegen 9 Uhr hörten Bedienstete einen Schuss und eilten in seine Gemächer. Dort fanden sie den König blutüberströmt und tot in seinem Bett. In der offiziellen Bekanntmachung hat der König beim Hantieren mit Handfeuerwaffen einen Schuss ausgelöst, der ihn tödlich traf. Die genauen Umstände sind jedoch bis heute nicht ganz geklärt.

Die traurige Nachricht über Rundfunk, Zeitungen und mündlicher Weitergabe war ein großer Schock für die Bevölkerung. Viele Menschen brachen zusammen und weinten. Das Büro des Premierministers veröffentlichte eine offizielle Erklärung: “Seine Majestät der Koenig verstarb am 9ten Juni 1946 und löste damit große Trauer bei der Regierung und Bevölkerung aus. Angesichts seiner Leistungen für das Wohl des Landes ist es angemessen, zum Zeichen der Loyalität eine einjährige Trauer einzuhalten. Alle Flaggen werden heute auf Halbmast gesetzt.”

Bei der Trauerzeremonie kamen Tausende traurige Menschen, um ihm den letzten Respekt zu erweisen. Menschen kamen mit Tränen in den Augen zum Grand Palace, wo er aufgebahrt war. In ihm sahen sie die Hoffnung, der das Königreich und seine Menschen auf einem guten Weg unterstützen konnte.

Auch wenn seine Regentschaft kurz war und er von einem Regierungsrat unterstützt wurde, so muss man doch mit großem Respekt die Arbeiten des jungen Königs sehr würdigen.

Da König Ananda Mahidol nie gekrönt wurde, jedoch erhob ihn kurz nach seinem Tod sein jüngerer Bruder und Nachfolger, König Bhumibol Adulyadej, in den Stand eines voll gekrönten und gesalbten Souveräns mit dem Recht auf den neunstufigen königlichen Schirm. Der neunstufige Schirm ist ein königliches Symbol der Herrschaft.

Copyright: Wilfried Stevens, Düsseldorf

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